Beruf

Wer die Diagnose MS erhält, stellt sich über kurz oder lang die Frage, welche Auswirkungen die Krankheit wohl auf die berufliche Tätigkeit haben kann. Eines schon einmal vorweg: Es gibt keinen Grund zu resignieren – viele Menschen mit MS können noch Jahrzehnte voll leistungsfähig in ihrem Beruf arbeiten. MS verläuft individuell sehr unterschiedlich und moderne Therapien können das Fortschreiten der Erkrankung wirksam verzögern. Durch eine regelmäßige Einnahme Ihrer Medikamente haben Sie selbst so einen erheblichen Einfluss auf einen positiven Verlauf Ihrer Erkrankung.

Der folgende Themenblock gibt Ihnen kurz und knapp Antworten auf Ihre wichtigsten Fragen zu Beruf und Arbeitsplatz: Ihre Rechte und Pflichten, Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen, Ihre berufliche Zukunft.

Nehmen Sie sich die Zeit und lesen Sie sich alles in Ruhe durch – so sind Sie von vorne herein gut informiert, behalten den Durchblick und wissen sich auch in Ihrem beruflichen Umfeld richtig zu verhalten. Es ist wichtig, dass Sie Ihre eigenen wie auch die Rechte und Pflichten des Arbeitgebers kennen – so können Sie sicher auftreten und auf mögliche Vorbehalte effektiv reagieren.

Weiter unten auf dieser Seite finden Sie außerdem zahlreiche Links und Verweise auf weiterführende Stellen wie Institutionen und Behörden.

Informationspflicht

Eine Informationspflicht gegenüber dem bestehenden Arbeitgeber besteht nur dann, wenn es durch die Krankheit zu einer Gefährdung Ihrer selbst oder von Kollegen kommt oder Sie MS-bedingt die vereinbarte Arbeitsleistung nicht mehr erbringen können. Das gilt auch für befristete Arbeitsverhältnisse und die Probezeit.

Falls Sie sich auf eine neue Stelle bewerben oder gerade neu eingestellt wurden, müssen Sie Ihren (zukünftigen) Arbeitgeber von sich aus – ungefragt - über Ihre MS informieren, wenn diese sich in absehbarer Zeit auf die Ausübung Ihrer Tätigkeit auswirkt oder mit häufigen Fehlzeiten zu rechnen ist. Ebenso sind Sie verpflichtet, ihn über eine bereits bestehende körperliche Beeinträchtigung oder Behinderung, die die angestrebte Tätigkeit erschwert oder in naher Zukunft unmöglich macht, in Kenntnis zu setzen.

Lassen Sie sich am besten vor einem Vorstellungsgespräch von einem Experten beraten. Hinweise auf Beratungsstellen finden Sie unten am Ende dieser Seite.

Ist MS ein Kündigungsgrund?

Grundsätzlich ist Multiple Sklerose als solche kein Kündigungsgrund. Schwerbehinderten Menschen gewährt das SGB IX zusätzlich einen besonderen Kündigungsschutz, der ergänzend zu den allgemeinen Kündigungsschutzregeln in Kraft tritt. Danach bedarf eine Kündigung in der Regel der vorherigen Zustimmung des Integrationsamts.

Einschränkung der Arbeitsfähigkeit durch MS

Langfristig kann MS Ihre Arbeitsfähigkeit in körperlicher wie geistiger Hinsicht einschränken. Es kann auch zwischendurch immer wieder einmal zu Einschränkungen und Leistungsabfall kommen.

Daher ist es umso wichtiger, dass Sie mit Ihren Kräften sorgsam umgehen und sich nicht zu viel zumuten. Passen Sie Ihren Tagesablauf und Arbeitsrhythmus bewusst an die eigene Leistungsfähigkeit und Ihre jeweilige „Tagesform“ an. „Durchhänger“ können und werden vorkommen: Akzeptieren Sie sie als vorübergehende Tiefs.

Wie gesagt: MS verläuft sehr unterschiedlich –neben schweren Verlaufsformen gibt es genauso Beispiele von Menschen mit MS, die nur wenige oder milde Symptome aufweisen, in Familie und Beruf ein nahezu normales Leben führen können, insbesondere dann, wenn ärztliche und soziale Hilfen voll genutzt werden.

Erster Ansprechpartner im Betrieb können Vertrauenspersonen mit Schweigepflicht, wie beispielsweise der Betriebsarzt oder der Betriebsrat sein. Darüber hinaus können Sie sich beim Integrationsamt (Behörde, die Aufgaben nach dem Schwerbehindertenrecht erfüllt), Arbeitsamt oder bei den Kommunen über Ihre Rechte und Pflichten informieren. Dazu finden Sie am Ende der Seite eine Sammlung an nützlichen Kontakten. Des Weiteren können Sie sich die informative Broschüre "Multiple Sklerose & Berufstätigkeit" kostenfrei über die MS-Begleiter Rufnummer 0800 9080333 (Servicezeiten: Mo–Fr, 8–20 Uhr) bestellen.

Stress und MS

Zu den Zusammenhängen zwischen Stress und MS ist in den letzten Jahrzehnten viel geforscht worden.

Grundsätzlich gilt es dabei verschiedene Stressarten zu unterscheiden Es gibt den positiven und den negativen Stress. Der positive Stress erhöht in bestimmten Situationen Ihre Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit. Der negative Stress dagegen beschert Ihnen beispielsweise nächtliche Schlaflosigkeit, in der Sie wach liegen und über Dinge nachgrübeln. Lang anhaltende Phasen mit negativem Stress scheinen zwar nicht das Risiko einer MS-Erkrankung zu erhöhen, begünstigen aber entzündliche Prozesse, wie sie auch bei der MS vorliegen.

Es ist für Sie nun besonders wichtig, Stressfaktoren zu minimieren. Da eine vollständige Vermeidung selten möglich ist, ist es sinnvoll einen besseren Umgang mit Stresssituationen und der Erkrankung zu erlernen. Dazu gehören Strategien zur Stressbewältigung in akuten Belastungssituationen sowie das Akzeptieren Ihrer Krankheit und Ihrer aktuellen Situation. Zögern Sie auch nicht, wenn Sie einem erhöhten chronischen Stress ausgesetzt sein sollten, vielleicht psychologische Hilfe – beispielsweise in Form einer Psychotherapie oder Paartherapie – in Anspruch zu nehmen.

Um Stresssituation zu meiden und zu meistern, ist es wichtig, dass Sie sich Ihre Kräfte einteilen und Ihren Tagesablauf möglichst an Ihre jeweilige „Tagesform“ anpassen! Genießen Sie zudem Ihre Freizeitaktivitäten, die Ihnen Spaß machen!

Kollegen

Inwieweit bzw. wann Sie sich Kollegen bzw. Ihrem Team anvertrauen, müssen Sie für sich selbst entscheiden. Ein wichtiger Punkt dabei ist sicherlich, wie Ihr Vertrauensverhältnis zu den Kollegen ist. Ist es gut und Sie fühlen sich in Ihrem beruflichen Umfeld gestützt und wohl, dann haben Transparenz und Offenheit viele Vorteile: Wissen die Kollegen Bescheid, dass Sie MS haben, werden sie Ihr Verhalten viel besser verstehen und Sie bei Bedarf entlasten und unterstützen.

Langfristige berufliche Zukunft

Wie sich Ihre berufliche Laufbahn langfristig entwickelt, hängt vom Verlauf der MS ab und ist daher nicht unbedingt voraussagbar. Denken Sie daher auf jeden Fall über Alternativen oder mögliche Veränderungen nach und entwickeln Sie einen „Plan B für alle Fälle“.

Dies hilft Ihnen, zu jedem Zeitpunkt den Überblick und die Kontrolle über die Situation zu bewahren. Sie haben die beruhigende Gewissheit, dass es Alternativen gibt und Sie Ihr Leben auch bei Veränderungen im Griff behalten können.

Planen und gestalten Sie daher trotz MS auch weiterhin aktiv Ihre berufliche Zukunft: Formulieren Sie sich wie bisher berufliche Ziele und legen Sie sich ganz bewusst Etappenziele fest.

Bedenken Sie: Jedes Erfolgserlebnis ganz bewusst genießen und sich selbst belohnen! So werden Sie weiterhin von den positiven Wirkungen einer erfüllenden Berufstätigkeit auf Ihre seelische Gesundheit profitieren.

Weiterführende Informationen und Anlaufstellen

  •  Arbeitnehmerbroschüre PDF
  • Ansprechpartner im Betrieb: Betriebsarzt, Betriebsrat, Sozialer Dienst
  • Arbeitsagenturen
  • Integrationsämter: BIH - Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen
  • Deutsche Rentenversicherung
  • Deutsches Studentenwerk e.V.
  • Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen
  • Bundesarbeitsgemeinschaft Rehabilitation
  • VBA - Verbund behinderter Arbeitsgeber - Selbstbestimmt Leben e.V.
  • Experten helfen Behinderten
  • Rehadat (Informationssystem zur Unterstützung der Integration von Behinderten in die Arbeitswelt)
  • Bundesministerium für Arbeit und Soziales
  • Wegweiser Rentenversicherung