Einen Schub erkennen

Schübe sind auch unter „Aufflackerungen“ oder „Verschlimmerungen“ bekannt. Sie werden wahrscheinlich auch die medizinischen Begriffe wie „Attacken“, „akute Episoden“ oder „klinische Ereignisse“ hören.

Wenn neue MS-bedingte Symptome auftreten oder sich alte MS-bedingte Symptome verschlechtern und über einen Zeitraum von mindestens 24 Stunden anhalten, spricht man von einem MS-Schub oder einer Verschlimmerung der MS. Bekannte Symptome, die an einem anderen Teil des Körpers auftreten, können auch Anzeichen eines Schubs sein.

Während eines Schubs entwickeln die Beschwerden sich innerhalb von Stunden oder Tagen und können zwischen einigen Tagen bis zu wenigen Wochen anhalten.

Wie können Sie erkennen, ob Sie einen Schub haben?

Alle Schübe, auch leichtere, sollten so schnell wie möglich Ihrem Arzt oder Ihrer MS-Nurse mitgeteilt werden.

Es kann manchmal allerdings schwer sein zu erkennen, ob ein Symptom das Anzeichen eines Schubs ist oder nicht – vor allem, wenn die Erkrankung gerade erst bei Ihnen festgestellt wurde. Sie können zum Beispiel Gleichgewichtsprobleme und Müdigkeit während einer Remissionsphase haben. Diese körperlichen Symptome bedeuten nicht automatisch, dass es bei Ihnen zu einem Schub gekommen ist.

Reden Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer MS-Nurse, wenn Sie nicht sicher sind. Notieren Sie die Zeit und Dauer Ihrer Beschwerden und wie sich diese auf Sie auswirken – diese Aufzeichnungen können bei einem Gespräch mit Ihrem Arzt helfen.

Anfangs kann es schwierig sein, die Symptome eines Schubs richtig zu erkennen. Allerdings werden Sie nach einiger Zeit ein Gefühl dafür bekommen und je besser Sie mit Ihrer körperlichen Verfassung vertraut sind, umso leichter wird es, mögliche MS-bedingte Symptome zu erkennen. Je besser Sie diesen Prozess kennen, desto weniger stressig wird er.

Manchmal kann es beunruhigend sein, während eines Schubs neue Symptome an sich festzustellen. Dennoch sollten Sie sich bewusst machen: Nicht alle Ihre Beschwerden müssen auf die MS zurückzuführen sein. Wenn Sie automatisch der MS die Schuld an jedem Symptom geben, kann es passieren, dass von der MS unabhängige Probleme nicht erkannt werden, die untersucht werden sollten.

Wenn Sie Zweifel haben, sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Er wird Ihnen helfen und Sie auch durch schwierige Zeiten begleiten.

Wie werden Schübe behandelt?

Schübe können leicht bis schwer sein und unerwartet auftreten. Das kann das Leben mit MS unvorhersehbar machen. Schübe können ambulant, durch einen Facharzt  und eine  MS Nurse begleitet, behandelt werden. Meist ist allerdings eine kurzzeitige, stationäre Behandlung nötig.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten einer kurzzeitigen Behandlung von Schüben. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, wie Sie am besten vorgehen.

Häufig wird ein MS-Schub mit einer Kortison-Stoßtherapie behandelt. Diese wird eingesetzt, um die Entzündungsaktivität zu verringern, die Dauer des Schubs zu verkürzen und Rückbildung der Symptome der MS zu beschleunigen. Sie wird jedoch nicht für einen regelmäßigen oder lang anhaltenden Gebrauch empfohlen.

Daneben können bei einem Schub weitere, begleitende Maßnahmen eingeleitet werden. Physiotherapie, Ergotherapie und Ernährungsberatung gehören unter anderen zu den Behandlungsmethoden, die den Einfluss eines Schubs auf den Alltag verringern können. Sie können auch in Kombination mit Steroiden eingesetzt werden. Andere Unterstützung, wie zum Beispiel Betreuung zu Hause oder am Arbeitsplatz, kann ebenso während und nach einem Schub hilfreich sein. Fragen Sie Ihren Arzt oder Ihre MS-Nurse nach entsprechenden Adressen in Ihrer Gegend.

Seien Sie vorbereitet - mit einem Plan für einen schweren Schub

Es gibt ein paar einfache Dinge, die Sie während Ihrer schubfreien Zeit machen können, um Ihr Leben bei einem nächsten Schub zu erleichtern:

  • Bewahren Sie den Namen und die Telefonnummer Ihres Arztes oder Ihrer MS-Nurse in der Nähe Ihres Telefons auf oder speichern Sie sie in Ihrem Handy ab, für den Fall, dass Sie Hilfe oder einen Rat benötigen. Geben Sie die Nummer auch engen Familienmitgliedern und Freunden, falls diese für Sie anrufen sollen.
  • Reden Sie über Ihre Behandlungsmöglichkeiten mit Ihrem Arzt, sodass Sie beide wissen, welche Art der Behandlung Sie bevorzugen.
  • Packen Sie eine kleine Tasche mit den nötigsten Dingen, falls Sie ins Krankenhaus müssen.
  • Schreiben Sie eine Liste mit all Ihren Medikamenten (für MS und andere Erkrankungen) und eine Übersicht über Ihre aktuelle körperliche Verfassung. Tragen Sie diese bei sich oder in Ihrer Krankenhaustasche, falls Sie diese dem Krankenhaus- oder Notfallpersonal im Falle eines Schubs zeigen müssen.
  • Bitten Sie einen verlässlichen Verwandten oder Freund darum, alle notwendigen Telefonate im Falle eines Schubs zu erledigen, wie zum Beispiel bei Ihrem Arbeitgeber – und stellen Sie sicher, dass Sie ihm alle notwendigen Nummern geben.
  • Überlegen Sie, ob Sie einem Familienmitglied oder einem Freund eine Vollmacht im Falle eines schweren Schubs geben, damit derjenige Sie und Ihre Wünsche vertreten kann, wenn Sie für einen kurzen Zeitraum nicht in der Lage sein sollten zu sprechen.

Weitere Informationen zu Schüben

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer MS-Nurse für weitere Unterstützung zum Umgang mit einem Schub. Lokale MS-Gruppen in Ihrer Gegend können Ihnen ebenfalls Informationen und Rat geben.

  • Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft
  • Landesverbände der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft

GZDE.MS.16.03.0351